Schon 2020 ging es los für uns mit einem ersten Kennenlernen des Projektes DAIKA und den Köpfen dahinter. Bei einem Besuch in Tübingen bekamen wir erste Eindrücke über das Projekt, Albanien und die dortige orthoptische Versorgung. Efie und Dietrich Kratsch erzählten uns die herausfordernde Anfangsgeschichte des Projektes, außerdem hörten wir die Klavierversion der albanischen Nationalhymne und schauten gemeinsam einen Film über den letzten Zug Albaniens, während wir grob unseren Einsatz planten. Aufgrund der Corona Pandemie wurde es allerdings dann erst einmal ruhiger.

Doch im Mai 2022 sollte es für uns-Sophia Mies und Pia Schneider- tatsächlich losgehen in dieses abwechslungsreiche und für uns noch unbekannte Land. Ausgestattet mit Stablampen, Tränenersatzmitteln, Okklusionspflastern und Neugier machten wir uns auf den Weg. Wir waren gut instruiert und hatten einen Tag, um uns in der ersten Stadt Lezhë zurechtzufinden. Die restlichen Mitglieder hatten schon eine Woche Untersuchungen hinter sich gebracht, als wir voller Tatendrang und neuen Eindrücken ankamen.

Die ersten Screenings fanden in Schulen statt, die man sicher als Schule erkennen konnte. In der faszinierenden Berglandschaft Valbona warteten dann ungewohnte Zustände auf uns: eine Schule ohne Elektrizität, also auch ohne Licht und Zentralheizung. Kurzer Hand wurde das Screening auf den Schulhof in Mitten von Bergen und Sonnenschein verlegt.

 

 

Screening in Valbona

 

Am Ende des Tages überraschte uns die großzügige albanische Gastfreundschaft des Lehrpersonals. Es gab einen Ausflug mit abenteuerlicher Fahrt durch ein ausgetrocknetes Flussbett zu einem Wasserfall und anschließend ein großes Essen. Da könnte man fast vergessen, dass man am Tag zuvor den Untersuchungsraum von verstaubten Kisten befreien, einen Autorefraktometer organisieren musste und während der Elektriker Kabel verlegte die ersten Kinder untersucht hat.

Im Untersuchungsraum von Bajram Curri

 

Am letzten Arbeitstag untersuchten wir 80 Kleinkinder in ihren Schlafsälen im Kindergarten in Bajram Curri. Wir waren sehr dankbar für die hilfsbereiten Erzieherinnen, wenn wir mal wieder einen Namen falsch ausgesprochen hatten oder ein Kind etwas schüchtern war. Nach Shkoder ging es für uns mit der Fähre durch einen beeindruckenden Stausee. Spätestens da war uns klar, dass wir wiederkommen müssen.

Auf dem Koman-Stausee

Ohne unsere tatkräftigen Übersetzer:innen und Organisationstalente Teuta, Suela, Tani und Lindita wären die Untersuchungen kaum möglich gewesen. So konnten im Screening viele auffällige Augenbefunde aufgedeckt werden und nach einer zeitnahen weiteren Kontrolle und genauen Refraktionsbestimmung viele Kinder kostenlos mit Brillen und Amblyopietherapie versorgt werden. Eltern wurden beruhigt, aufgeklärt und empfingen uns dankbar.

Herzlichen Dank an Elfi und Dietrich für die Möglichkeit eine solch sinnvolle Initiative mit unserem Fachwissen unterstützen zu können. Wir sind begeistert was sie in den letzten zehn Jahren auf die Beine gestellt haben.

 

 

Pia Schneider und Sophia Mies

 

 

In Deutschland, vor dem Einsatz, kreisten noch manche Gespräche, Telefonate, Emails um die Covid-Situation. Was würden wir machen, wenn ein Teilnehmer kurz vor dem Flug oder gar während der Arbeit in Albanien positiv getestet würde? Schließlich entschlossen wir uns Anfang April zur Buchung von Flügen, organisierten Unterkunft und Auto und ließen uns zur Minimierung des Stornierungsrisikos Mitte April zum vierten Mal impfen. Im Albanien war Covid kein Thema mehr, die offiziellen Zahlen gingen gegen Null. Wir hatten während der Untersuchungen eine Maske auf, ansonsten haben wir niemanden gesehen, der das noch tat. Die Tests blieben im Koffer, und nach Rückkehr waren sie negativ.

So war ein wieder ein normales Arbeiten wie vor Corona-Zeiten möglich. Da wir 2021 nur einmal in Albanien waren, waren die Kontrollen unserer langjährigen Patienten besonders wichtig. Bei vielen war vorgemerkt, dass sie voraussichtlich eine neue Brille brauchen. Unsere albanischen Mitarbeiter Dritan, Suela und Lindita haben die Eltern angerufen, die meisten kamen in unsere Untersuchungsräume. Oft sind mehrere Kinder einer Familie von Sehschwäche betroffen. Manche Kinder kennen wir nun seit 8 Jahren, sie sind vom Kleinkind zum Jugendlichen gewachsen und haben nun schon die fünfte Brille. Mitunter geht auch eine Brille kaputt oder verloren; daher ist es wichtig, dass wir zwei bis dreimal pro Jahr kommen, damit die brillenlose Zeit für dieses Kind möglichst kurz ist.

Eine Familie aus unserem treuen Patientenstamm in Fushe Arrez

In Bajram Curri haben wir als Ersatz für ein defektes Gerät einen guten gebrauchten Sehzeichenprojektor installiert und gleich noch etliche Steckdosen anbringen lassen, bisher gab es immer ein heilloses Durcheinander an Verlängerungskabeln.

Der neue Sehzeichenprojektor in Bajram Curri

In der zweiten Woche stießen die Orthoptistinnen Sophia Mies und Pia Schneider sowie Teuta Malshi zu uns. So konnten wir mit größerem Team parallel arbeiten und auch wieder Screenings in Kindergärten und Grundschulen durchführen. Außergewöhnlich war das Screening in der Dorfschule von Valbona. Es gab kein Licht und keinen Strom – wie uns berichtet wurde, habe die Schule dafür kein Geld. Am 12. Mai waren die Schulräume noch sehr kühl, der kleine Holzofen wärmte kaum.


Schulraum in Valbona

Der Akku unseres Plusoptix-Untersuchungsgerätes war gut aufgeladen und hat durchgehalten, den LEA-Visustest haben wir wegen der Lichtverhältnisse nach außen verlegt – mit eindrucksvoller Gebirgskulisse.

49 Brillen wurden individuell verordnet und in Shkodra angefertigt. Am Tag nach unserer Abreise konnten sie den Patienten schon ausgeliefert werden. Daneben konnten wir ca. 30 Brillen aus unserer Sammlung gebrauchter Brillen vermitteln und haben ca. 60 Lesebrillen abgegeben. Insgesamt haben wir in unserer bisher 9-jährigen Tätigkeit bislang knapp 1400 Brillen abgegeben. 

 

 

Nach zweijährigem pandemiebedingtem Unterbruch  waren wir in diesem Herbst wieder in Albanien. 2020 hatten unsere albanischen Mitarbeiter zusammen mit einer albanischen Augenärztin an unseren Stationen Untersuchungen angeboten und durchgeführt, so dass auch in der Zwischenzeit eine Betreuung gewährleistet war.

Zwar gingen im September2021 in Albanien (wie auch in Deutschland) die Inzidenzwerte wieder nach oben, aber die Situation war doch anders als 2020, da alle Teammitglieder geimpft waren. Eine gewisse Unsicherheit bestand aber immer noch; daher waren wir alle froh, dass wir die Arbeit wie geplant durchführen konnten und alle gesund geblieben sind.

Etliche Änderungen gab es im albanischen Team. Dritan Nikolli, der unsere Einsätze organisiert hatte, ist seit 2019 als Krankenpfleger in einer Klinik bei Aschaffenburg tätig. Suela Halilaj hat einen in Nürnberg lebenden, in ihrer Heimatstadt Shkodra geborenen Albaner geheiratet und Vilma Dufalija hat eine Arbeitsstelle bei einem Zahnarzt in Shkodra gefunden. So müssen auch wir die Organisation der Einsätze umstellen. Dritan hat eine Woche Urlaub genommen und uns begleitet. Er wird auch in Zukunft im Team sein und von Deutschland aus die Einsätze organisieren. Mittlerweile spricht er sehr gut Deutsch, dies erleichtert uns sehr die Kommunikation. Eine große Hilfe ist, dass die Krankenpflegerin Lindita Gjegjaj nicht nur in Fusha-Arrez, sondern auch in Bajram Curri das Chaos auf dem Gang vor unseren Untersuchungszimmern bändigt. 

Einige Tage vor dem Abflug bekamen wir einen unerwarteten Telefonanruf von Teuta Malshi, der Tochter des Chefs der Verwaltungsstelle in Zejmen, in deren Gebäude uns ein Zimmer für unsere Untersuchungsgeräte zur Verfügung gestellt worden war. Teuta arbeitet im württembergischen Ilsfeld und richtete uns Grüße ihres Vaters aus, es sei sehr wichtig, dass wir unsere Arbeit in Zejmen fortsetzen. Sie nahm extra Urlaub und flog nach Albanien, um für uns zu übersetzen. 

In unseren Stationen in Zejmen, Fushe-Arrez und Bajram Curri waren die meisten Geräte noch einsatzbereit. In Bajram Curri hat der Visusprojektor nicht funktioniert. Improvisieren sind wir gewohnt, zur Sicherheit hatten wir eine neue E-Haken-Tafel mitgenommen.  In Fushe-Arrez konnten wir einen neuen Scheitelbrechwertmesser zum Ausmessen der Brillen in Betrieb nehmen, den uns das Deutsche Komitee zur Verhütung von Blindheit zur Verfügung gestellt hat. Im Fluggepäck hatten wir einige Hundert Masken; Dritan hatte ein großes Sortiment an Desinfektionsmittel nach Albanien gebracht. Auch in den Aushängen war auf die besondere Pandemie-Situation hingewiesen worden. Es war aber nicht immer leicht, die Kinder und  Eltern dazu zu bringen, die Masken nicht nur über den Mund, sondern auch die Nase zu ziehen. Erfreulich war, dass wir eine Reihe von gebrauchten Brillen vermitteln und dadurch eine sofortige Hilfe bewirken konnten. Zum Beispiel konnte vier Jugendlichen mit Myopie (Nahsichtigkeit), die in der Ferne nur 20 % sahen  und noch keine Brille hatten, unmittelbar im Untersuchungsraum geholfen werden. Jetzt müssen sie in der Schule nicht mehr in der ersten Reihe sitzen, um mit zusammengekniffenen Augen die Konturen des Tafelaufschriebs erahnen zu können. Insgesamt haben wir in den zehn Tagen unseres Einsatzes etwa 400 Patienten untersucht.

Der Firma Fielmann AG danken wir für Brillengestelle, Ivi Xhufka und der Firma Naccon für die günstige Überlassung eines Mietautos. 

Und hier ein paar Impressionen vom Projekteinsatz:

 

Unsere neue E-Haken-Tafel

Die Kinder haben schnell gelernt, wie sie zeigen müssen.

 

 

 

Die Untersuchung eines Patienten am Autorefraktometer

Lang-Test zur Ermittlung des Stereosehens

 

Der Visus der 13-jährigen Arjela betrug ohne Brille 20 % rechts, 10 % links; mit der Brille aus unserer Brillensammlung sieht sie jetzt binokular 100 %.

 

 

 

 

 

Am ersten Albanieneinsatz des Jahres 2019 nahmen erstmals die Orthoptistinnen Elke Pfeiler (Gottenheim bei Freiburg) und Lisa Zimmer (Aschaffenburg) sowie der Ehemann von Elke Pfeiler, der Physiker Dr. Hartwig Nahme, teil. Auf albanischer Seite hatte Dritan Nikolli, der in den vergangenen Jahren die Einsätze organisiert hatte, ein Arbeitsvisum für Deutschland erhalten und Mitte April in Frankfurt die Arbeit in der Krankenpflege aufgenommen. So war es sehr wichtig, dass Vilma Dufalija und Suela Halilaj weiterhin in unserem Team sind, den Einsatz vorbereitet und vor Ort in bewährter Weise mitgearbeitet haben. Thomas Wehinger, dessen Firma Naccon in Tübingen und Tirana tätig ist, hat uns seinen Mitarbeiter Eglant Toragjini zur Verfügung gestellt, der uns sicher gefahren hat und als Dolmetscher eine große Hilfe war.

Schon Ende März hatten wir gebrauchte gespendete Geräte und Ausrüstung an den Chiemsee gebracht, von wo aus sie in einem größeren Hilfstransport nach Fushe-Arrez gefahren wurden. Darunter waren zwei Spaltlampen und ein Perimeter, welches von der ReVis Augenklinik (Aschaffenburg), und ein Idem-Visus und eine Spaltlampe, welche von dem Bietigheimer Augenarzt Dr. Schimmel zur Verfügung gestellt wurden, sowie Augenpflaster der Fa. Piratoplast und Augentropfen.

Prof. Manfred Zierhut, Universitäts-Augenklinik Tübingen, hatte bei einem Fachvortrag in Tirana auf unser Projekt hingewiesen, und so nahm die junge albanische Augenärztin Dr. Etleva Gjurashaj Kontakt mit uns auf. An zwei Tagen begleitete sie unsere Arbeit. Sie hat besonderes Interesse an der augenmedizinischen Versorgung von Kindern und an unserer Arbeit. Beim nächsten Einsatz im Oktober will Dr. Gjurashaj wieder einige Tage mit uns zusammenarbeiten, wir freuen uns schon darauf.

Da wir parallel in drei Teams arbeiteten, konnten wir an unseren Stationen Bajram Currie, Fushe-Arrez, Puke und Zejmen sowie in Shkodra in der Augenarztplaxis von Dr. Beci eine große Anzahl von Patienten betreuen; über 200 davon konnten wir mit Brillen versorgen. Screenings an Kindergärten und Grundschulen fanden in Balldren und Manati (bei Lezhe) sowie in Pllane und Rreshen statt. 

Nach 12 anstrengenden und intensiven Arbeitstagen kamen wir müde aber zufrieden nach Deutschland zurück.

 

 Dr. Gjurashaj und Elfriede Joos-Kratsch

 Suela Halilaj bei der Patientenaufnehme: wie immer muss sie einen großen Andrang beherrschen

Der letzte Schritt vor der Brillenverordnung: Elke Pfeiler beim subjektiven Abgleich

 Lisa Zimmer und Eglant Toragjini  beim Screening (LEA-Test) in Pllane

Bei unserem letzten Einsatz wurde DAIKA von Karin Spatz, einer Orthoptistin aus Köln, begleitet. Hier schildert sie ihre Eindrücke und Erfahrungen:

In diesem Herbst war es soweit und ich konnte eine Woche am Albanieneinsatz mit DAIKA teilnehmen. Nach unkompliziertem Flug nach Tirana bekam ich einen ersten Eindruck davon, wie lange es dauert, in entlegene Bergdörfer zu gelangen, um das Team in Puka zu treffen. Und das trotz inzwischen meist gut ausgebauter Straßen! Ja, Albanien ist sehr bergig und vielerorts noch sehr ländlich. Das habe ich nun verstanden!

Nun zu sechst setzten wir am nächsten Tag die bereits fünf Tage andauernden Arbeiten fort, jetzt mit zwei Orthoptistinnen, die parallel untersuchten. So war es uns möglich, eine größere Anzahl an Patienten zu untersuchen und uns auch über einige Fälle und Therapien auszutauschen. Meine Arbeit gestaltete sich Dank der Übersetzung Vilmas, unserer albanischen Assistentin, unkompliziert und mit dem Team sehr einvernehmlich. Ich war erstaunt über die vielen vorhandenen Geräte vor Ort, wie Autorefraktometer, Gläserkasten, Scheitelbrechwertmesser. Das macht die Arbeit gleich erheblich effizienter und leichter. Auch dass uns Räume zur Verfügung standen war toll und ist das Ergebnis langer und intensiver Arbeit von DAIKA vor Ort.

Die Geräte und viele Untersuchungsmaterialien können so stationär bleiben und müssen nicht immer mitgeschleppt werden. Denn Herumreisen gehört dazu. In dieser Woche haben wir fünf der inzwischen sechs Stationen besucht. Auch Dietrichs gut sortiertes und dokumentiertes Brillensortiment habe ich bewundert und bei der Arbeit davon profitiert, da einige Patienten sofort versorgt werden können. Ich bekam einige interessante Fälle zu Gesicht; die Hilfsbedürftigkeit ist groß. Die Nachfrage gibt Efie und Dietrich Recht, in ihren wirklich bewundernswerten Bemühungen nicht nachzulassen!

Allen auf diesem Weg nochmal ein herzliches Danke für die spannende Woche! Ich hoffe, dass ich bei künftigen Einsätzen wieder mit dabei sein kann.

Karin Spatz (links im Bild) und Vilma (rechts im Bild) bei einer Untersuchung

Nachdem wir unsere geplanten Arbeitseinsätze im März und Mai aus gesundheitlichen Gründen stornieren mussten, verlängerten wir den Einsatz im Herbst auf 17 Tage. Wir waren sehr gespannt, wie wir nach  einem Jahr Unterbruch unsere Untersuchungsräume antreffen würden und wie die Stimmung unserer albanischer Mitarbeiter sein würde. Die ganze Zeit begleitete uns Natalie Allmendinger, die für ein halbes Jahr in Fushe-Arrez  gearbeitet hatte. Unsere albanischen Patienten waren ganz erstaunt, dass sie von einer jungen Deutschen in Albanisch angesprochen wurden.  In der zweiten Woche stieß Karin Spatz, die in Köln als Orthoptistin arbeitet, zu uns. Unterstützt wurden wir von unseren albanischen Mitarbeitern Dritan Nikolli, der die Arbeit in den verschiedenen Einsatzorten sehr gut vorbereitet hat, sowie Vilma Dufalija und Suela Halilaj.  

In dem Gebirgsstädtchen Bajram Curri, nahe der kosovarischen Grenze, erwartete uns am Sonntagmorgen der neue Direktor des Hospitals. Weil die bisher von uns genutzten Räume anderweitig benötigt werden, mussten wir am Sonntagnachmittag umziehen und uns neu einrichten. Da der neue Raum besser geeignet ist, nahmen wir die Arbeit gerne in Angriff.

 In Bajram Curri arbeiten wir seit knapp 2 Jahren, mit manchen Patienten gab es ein Wiedersehen. Die 5-jährige Klara hatte mit ihrer starken Hornhautverkrümmung vor einem Jahr ohne Brille eine Sehschärfe (Visus) von 0,2; die diesjährige Kontrolle mit Brille ergab 1,0!  

Im Hospital von Puka waren wir zum ersten Mal. So kamen auch der Direktor, seine Frau, seine Tochter, sein Sohn und die Freundin des Sohns zur Untersuchung – zwar nicht unsere Zielgruppe, aber als vertrauensschaffende Maßnahme von hohem Wert.

In Fushe-Arrez, Zejmen und Shkodra, wo wir schon seit einigen Jahren tätig sind, hat sich schnell die gewohnte Routine eingestellt.  Mit Karin bildeten wir zwei Untersuchungsteams. Dadurch war die Arbeit sehr effektiv. So haben wir beispielsweise in Rreshen in Zusammenarbeit mit Caritas Albanien einen Untersuchungstermin mit unseren mobilen Untersuchungsgeräten angeboten, bei dem wir 85 Personen untersuchen konnten. Die Auffälligen wurden einige Tage später in unserer Einrichtung in Zejmen weiter versorgt. 

 Nach dem Screening im Kindergarten von Fushe-Arrez gab es als Belohnung für das gute Mitmachen gespendete Sonnenbrillen

 17 Personen konnten wir direkt mit Brillen aus unserer Sammlung gebrauchter Brillen versorgen.  Immer wieder ist es eindrücklich, wenn Kinder, die bisher immer nur unscharf sahen, plötzlich die Umwelt bewusst wahrnehmen, so z.B. die 4-jährige Ornelia (Patient Nr. 6350), die durch ihr Schielen auf dem rechten Auge fast nichts und auf dem linken Augen mit ihren Werten +7,5 sphärisch, -1,5 cylinder auch nur 20  % sah. Wir konnten ihr zu einem Trageversuch eine gebrauchte Kinderbrille von +4,5 geben. Damit sah Ornelia auf einmal die Umwelt viel schärfer. Mit Begeisterung und hoher Konzentration zeigte sie beim Sehtest die in 3 m Entfernung gehaltenen Symbole (Kreis, Quadrat, Haus, Herz) auf ihrem Zettel an und kam gleich auf 60 %. Im Mai nächsten Jahres werden wir sie wiedersehen und ihr die individuell angepasste Brille geben.

 

Ornelia entdeckt das scharfe Sehen

 Bei 32 neugefertigten Brillen werden von uns die Kosten der Gläser ganz oder teilweise übernommen, weil die Familien sehr arm sind. Die Gestelle bekamen wir kostenlos, z.B. vom Lustnauer Optiker Restle, der Ende 2017 sein Ladengeschäft geschlossen hat. Eine Reihe weiterer Patienten, die es sich leisten können, bekamen nur Brillenrezepte und Gestelle und lassen sich die Brillen selbst anfertigen. Und auch Nahbrillen gaben wir wieder in größerer Anzahl aus. In Rreshen fragte uns Schwester Dafina, ob wir auch einen Rollstuhlfahrer untersuchen könnten. Der 43-jährige querschnittsgelähmte Mann war überglücklich, wenigstens wieder lesen zu können.

In Rreshen kümmerten wir uns auch um ältere Patienten

Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz: die Planung für 2019 hat schon begonnen. Wir haben einen treuen Patientenstamm, der auf uns wartet. 

 

Marina Düvel, Audiotherapeutin (DSB)® aus Tübingen, erzählt in ihrem aktuellen Projektbericht vom dritten Einsatz von "Hören in Albanien" Anfang April 2018. Das Besondere an diesem Einsatz war, dass Schwester Caridad, die das Projekt vor Ort unterstützt (Terminorganisation, Übersetzungen) zu der Zeit in ihrer Heimat im Urlaub war, sodass Dritan, unser Mitarbeiter von DAIKA e.V. für die Übersetzungen und Terminabsprachen ausgeholfen hat.

 DAIKA-Mitarbeiter Dritan mit einer Patientin von "Hören in Albanien" (Foto: Düvel)

 

Schönstes Frühlingswetter in Shkodra (Foto: Düvel)